Sommer – Sonne – ab ins Freibad! Zur Situation der Freibäder auf dem Land

Lebt man im Dorf, dann bedeutet Freizeitgestaltung oft weit zu fahren. Viele Kultur- und Freizeitangebote konzentrieren sich auf die Ballungszentren, die Möglichkeiten auf dem Land sind – neben dem Genuss der Natur – oft eingeschränkt.
Umso erfreulicher ist ein Blick auf den Bäderatlas der deutschen Gesellschaft für das Badewesen (1). Hier zeigt sich: Das Freibad ist als Freizeitmöglichkeit in ländlichen Regionen weit verbreitet – noch.

Das Freibad – Freizeitmöglichkeit in Corona-Zeiten

Ab Pfingsten wird traditionell die Freibadsaison eröffnet – doch dieses Jahr ist auch hier vieles anders. Zwar öffnen (im Gegensatz zu Hallenbädern) vielerorts die Freibäder wieder, aber auch hier gelten strikte Kontaktbeschränkungen. Mindestabstand, Hygiene-Konzepte, Maximalkapazität – das sind die Themen mit denen die Bäderbetriebe sich in den letzten Wochen auseinandersetzen mussten. Viele Bäder haben individuelle Lösungen gefunden, wie sie ihren Betrieb wieder aufnehmen können. 

Decke an Decke auf der Liegewiese, dichtes Gedränge an der Wasserrutsche, Pommesbude und Eisverkauf und distanzloses Getobe im Nichtschwimmerbereich – das wird es diesen Sommer nicht geben. Statt dessen: Markierungen auf Liegewiesen, maximal zwei Haushalte auf einer Decke, Online-Kartenverkauf, Zeitfenster-Buchung und Bademeister, die die Badenden zählen. Die Vorschriften führen teilweise zu kuriosen Regelungen: zum Beispiel, dass alle in dieselbe Richtung schwimmen müssen um Kontakte zu vermeiden. 

Eng zusammen im Pool entspannen wird es dieses Jahr nicht geben

Klar ist, die Auslastung der Bäder wird 2020 geringer sein als bisher. Dazu kommt, dass manche unter diesen Voraussetzungen den Badesee oder den eigenen Swimmingpool wohl vorziehen werden. Unterm Strich werden die Einnahmen der Bäderbetriebe sinken – bei gleichbleibenden Fixkosten. Darüber hinaus entstehen durch notwendige Schutzmaßnahmen und zusätzlichen Personaleinsatz noch weitere Kosten. Schlussendlich muss jeder öffentliche Badbetreiber selbst entscheiden, ob er das Freibad öffnen möchte oder nicht. So manches Freibad wird 2020 wohl geschlossen bleiben. Ob es 2021 dann wieder öffnet, bleibt abzuwarten.

Vor allem die Freibäder in den Dörfern sind bedroht

Viele Freibäder stehen kurz vor dem aus. Die Anzahl der Bäder in Deutschland ist drastisch zurückgegangen. In den letzten 20 Jahren musste fast jedes sechste Freibad schließen. Heute gibt es noch etwa 2686 Freibäder in Deutschland (2). Vor allem ländlichen Gemeinden fällt es schwer, die Bäder am Leben zu erhalten. Die Gründe: Sanierungsstau und eine per se geringere Auslastung auf Grund der geringeren Bevölkerungsdichte. 

»Dazu kommt, dass herkömmliche Freibäder nicht mehr die Popularität haben. Die Leute wollen Spaßbäder mit viel Angebot. Oder sie ziehen gleich Seen vor, wo sie vermeintlich noch ungestört sind.«

Uwe Lübking, der beim Städte- und Gemeindetag für die Abteilung Sport zuständig ist

Der Unterhalt von Bäderbetrieben ist in Deutschland Sache der Gemeinden und Kommunen. Angesichts der Finanzsituation in vielen kommunalen Haushalten ist es nicht verwunderlich, dass einige ihre Bäder nicht halten können. Denn Freibäder müssen von den Gemeinden und Kommunen meist bezuschusst werden. Sie decken im Schnitt lediglich 27,2% ihrer Kosten selbst (3). Da sie nur wenige Monate im Jahr geöffnet haben und stark vom Wetter abhängig sind, haben sie eine besonders schlechte Bilanz. Ob der Sommer verregnet ist oder nicht, die Kosten bleiben die selben.

Die meisten Freibäder stammen aus der Wirtschaftswunderzeit. Gebaut in den 60er und 70er Jahren, wurden sie seitdem oftmals nicht mehr modernisiert. Für Gemeinden heißt das: die notwendige Sanierung bezahlen und anschließend weitere Gelder für den Unterhalt aufbringen. Für kleine Kommunen ist das oft nicht zu bewältigen. Freibäder gehören zu den sogenannten freiwilligen Aufgaben im kommunalen Haushalt und sind, anders als Hallenbäder, meist von den Fördertöpfen der Länder ausgeschlossen. Kein Wunder, dass Bäder oft zu den Leistungen zählen, die zuerst eingespart werden. 

»Um Deutschlands Bäder wieder flott zu machen, beziffern wir die Kosten auf 4,5 Milliarden Euro. Die Pflege und den Betrieb mit Energiekosten auf 16 Milliarden. Mit solch hohen Summen kann man Kommunen nicht allein lassen, darum sind hierbei auch Bund und Länder gefragt.«

Achim Wiese, Sprecher der DLRG (4)
Zunehmend sind Schwimmbäder als verlassene Orte Attraktionen für Abenteuerlustige

Freibäder sind mehr als nur ein Becken Wasser

Viele Menschen wollten ihr Freibad nicht so einfach aufgeben. Mit kühlem Nass und schattigen Liegewiesen hilft es über drückend heiße Sommertage hinweg. Hier verbringt man eine entspannte Zeit mit der Familie, trifft Freunde und Verwandte. Für manch einen werden im Freibad auch Erinnerungen an Jugend-Tage wach: mit den Freunden sonnen, Volleyball spielen, Mutproben am Sprungturm, Eis essen und Flirten – auch das gehört zum Freibad.

Freibäder sind wichtige Treffpunkte

Aber Schwimmbäder sind nicht nur freizeitrelevant. Hier lernen die Kinder das Schwimmen – eine schöne aber auch lebenswichtige Sportart. Mit dem Rückgang der Bäder ist auch die Quote der sicheren Schwimmer zurückgegangen. Laut einer Forsa-Umfrage sind rund 60 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer mehr (5). Deutschland wird zunehmend ein Land der Nichtschwimmer.

Schwimmbadbus und Bürger-Freibad helfen Freibäder zu erhalten 

Eine Möglichkeit, wenigstens einen Teil der Freibäder zu erhalten, wurde in der interkommunale Kooperation gefunden. Einige Gemeinden haben sich dazu entschlossen, ihr sanierungsbedürftiges Schwimmbad zu schließen und dafür einen kostenlosen Schwimmbadbus zum Bad der Nachbargemeinde anzubieten. Das verbleibende Bad freut sich über eine höhere Auslastung und in der Folge eine bessere Kostendeckung. So bleibt das lokale Freizeitangebot erhalten und die Kosten sind geringer, als zwei Bäder zu betreiben. 

Andernorts nehmen die Bürgerinnen und Bürger den Erhalt ihres Freibades selbst in die Hand. In einigen Dörfern haben sich die Bürger*innen zu Genossenschaften zusammengeschlossen, um ihr Freibad zu erhalten. Die Finanzierung wird durch Mitgliedsbeiträge gesichert und so die Kosten für den kommunalen Haushalt reduziert. Auch dies ist ein erprobter Weg, wie auch zukünftig im Dorf geplanscht und geschwommen werden kann.

Zunehmend mehr Freizeiteinrichtungen werden als Genossenschaft betrieben

Quellen

(1) https://www.baederatlas.com/
(2) https://www.baederportal.com/produkte-und-publikationen/baedersterben/
(3) https://kommunal.de/freibad-saison
(4) https://kommunal.de/schwimmbadsterben-reportage
(5) https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/anzahl-der-oeffentlichen-schwimmbaeder-nimmt-drastisch-ab-15712675.html